Schnellzugriff
Um die Vorlesefunktion von Readspeaker zu nutzen, müssen Sie Readspeaker in den Datenschutzeinstellungen freigeben
Integration ganzheitlich begleiten: 5 Jahre Kommunales Integrationsmanagement
Eine bessere und schnellere Integration von eingewanderten Menschen und die bestmögliche Förderung ihrer Potenziale – das ist das Ziel des Programms „Kommunales Integrationsmanagement (KIM)“. Das Programm KIM bewirkt, dass verschiedene Behörden und Strukturen an einem Strang ziehen, um zugewanderten Menschen eine verlässliche Anlaufstelle zu bieten, die bei ihren individuellen Integrationsprozessen Unterstützung bietet. Seit fünf Jahren läuft das Programm jetzt schon erfolgreich in Leverkusen.
Der Startschuss fiel im Februar 2021: Mit viel Vorbereitung hatte die Stadt Leverkusen im Jahr 2020 eine Teilnahme am damals neuen Landesprogramm „Kommunales Integrationsmanagement NRW“ – kurz KIM – beantragt. Im Februar 2021 wurde dann von Seiten des Landes die grundsätzliche Genehmigung und der erste Förderbescheid an die Stadt Leverkusen übermittelt.
Im Vorfeld hatte das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Leverkusen gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren der Integrationsarbeit ein Rahmenkonzept entwickelt und die Struktur zur Umsetzung des Programms KIM NRW geschaffen. Seitdem ist das Programm KIM im Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Leverkusen angesiedelt und wird mit Unterstützung von koordinierenden Stellen gesteuert. Die Stadt Leverkusen nutzte die Chance frühzeitig: Das Programm Kommunales Integrationsmanagement des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen ist bundesweit einzigartig und mittlerweile flächendeckend in NRW eingeführt.
In Leverkusen werden über das Programm derzeit 13,5 Personalstellen für Integrationsarbeit sowie Sachkosten gefördert und zugleich, die für die Integrationsberatung so wichtigen Wohlfahrtsverbände, wie die Arbeiterwohlfahrt, der Caritasverband und das Diakonische Werk mit in die Umsetzung einbezogen. Das Landesprogramm KIM ist seit 2022 im Gesetz zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein-Westfalen fest verankert und die Förderung des Landes langfristig angelegt.
Integrationsministerin Verena Schäffer: „Integration und Teilhabe sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Dafür brauchen wir eine starke Integrationsinfrastruktur, die Menschen ein gutes Ankommen ermöglicht. Das Kommunale Integrationsmanagement ist dabei ein wichtiger Schlüssel für gelingende Integration vor Ort. Mit dem bundesweit einmaligen Angebot unterstützen wir flächendeckend in ganz Nordrhein-Westfalen Menschen mit Einwanderungsgeschichte individuell und fördern ihre Teilhabe. Ich freue mich, dass die Stadt Leverkusen dieses wichtige Angebot vor fünf Jahren eingerichtet hat. Mittlerweile gibt es das kommunale Integrationsmanagement in allen Kreisen und Kreisfreien Städten des Landes. Das unterstreicht: Nordrhein-Westfalen gestaltet Integration verbindlich, kommunal und nah an den Menschen.“
Auch an der neuen Landesinitiative „NRW.integrativ“, die im Rahmen des Programms KIM auf die Förderung der Integration in Ausbildung und Arbeit abzielt, nimmt die Stadt Leverkusen teil. Damit werden nun auch die Bedarfe von Leverkusener Unternehmen noch stärker in den Blick genommen. Ziel ist es, den Zugang in Arbeit schneller und unbürokratischer zu gestalten und zugleich einen Beitrag zur Sicherung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs der Leverkusener Unternehmen zu leisten.
Integration in Leverkusen gelingt nur gemeinsam: Zusammenarbeit mit Verbänden
Über drei unterschiedliche Bausteine fördert das Landesprogramm Personalstellen sowie Sachkosten. Gefördert werden Personalstellen zur Koordination im Kommunalen Integrationszentrum (Baustein 1), zur Einzelfallberatung (Baustein 2: KIM-Casemanagement) und die Sachbearbeitung in den Ausländer- und Einbürgerungsbehörden (Baustein 3) wird ebenfalls ergänzend gefördert. Die Personalstellen der drei Bausteine arbeiten eng zusammen. Das Herzstück des Landesprogramms KIM ist das individuelle KIM-Casemanagement: Spezielle Beraterinnen und Berater, die sogenannten KIM-Casemanagerinnen und Casemanager, begleiten volljährige zugewanderte Personen in allen die Integration betreffenden Belangen. Das KIM-Casemanagement wird durch das Kommunale Integrationszentrum in Zusammenarbeit mit drei Wohlfahrtsverbänden umgesetzt.
„Für uns war von Beginn an klar, dass wir das Kommunale Integrationsmanagement in Leverkusen nicht ausschließlich als Verwaltung umsetzen möchten, sondern in enger Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden. Die ohnehin vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Verbänden konnte durch das Programm KIM weiter gestärkt werden“, macht Alexander Lünenbach, als Sozialdezernent zuständig für die Gesamtthematik Integration, deutlich.
Daher sind von Beginn an Personalstellen für das KIM-Casemanagement auch bei der Arbeiterwohlfahrt, dem Caritasverband und dem Diakonischen Werk angesiedelt. „Hier ist viel Erfahrung und Expertise in der Integrationsberatung vorhanden und davon können alle Seiten in Leverkusen ausschließlich profitieren“, betont Lünenbach. Durch die Kooperation mit den Verbänden können bestehende Kompetenzen gebündelt und Synergien genutzt werden, um ein flächendeckendes und bedarfsgerechtes Angebot für zugewanderte Menschen in Leverkusen sicherzustellen.
Die langfristige Umsetzung des Programms KIM in Leverkusen sowie die Zusammenarbeit mit den Verbänden wurde vom Rat der Stadt Leverkusen beschlossen. Gerade das Zusammenwirken der Stadt Leverkusen mit den Verbänden im Förderprogramm KIM zeigt, dass auch in Zeiten schwieriger städtischer Haushaltslage qualitative soziale Angebote möglich sind und Fördermittel genutzt werden, um Bedarfslagen in Leverkusen abzudecken. Voraussetzung für dieses Gelingen ist, dass alle an einem Strang ziehen. Zunächst im Jahr 2021 vom Rat der Stadt Leverkusen beschlossen, wurde mit Ratsbeschluss im Februar 2025 die Zusammenarbeit der Stadt Leverkusen mit den Verbänden auch unter neuen Haushaltsbedingungen noch einmal aktualisiert.
Auch von Seiten der beteiligten Verbände, der Arbeiterwohlfahrt, dem Caritasverband und dem Diakonischen Werk wird die Zusammenarbeit mit der Stadt Leverkusen im Programm KIM NRW als Erfolgsfaktor gesehen: „Das Kommunale Integrationsmanagement hat sich in den vergangenen Jahren in synergetischer Weise in die bestehende Beratungslandschaft in Leverkusen eingefügt. Gemeinsam mit der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE), den Jugendmigrationsdiensten (JMD) und der Flüchtlingsberatung bildet KIM eine wichtige Ergänzung des bestehenden Unterstützungsangebots“, betont Carsten Wellbrock, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Leverkusen und Stadt-Caritasdirektor.
„Durch die enge Verzahnung der unterschiedlichen Beratungsangebote können Menschen bedarfsgerecht begleitet und passgenau an die jeweils richtigen Stellen vermittelt werden. Besonders wertvoll ist dabei der klare Fokus des KIM-Casemanagements auf eine zielgerichtete Arbeitsmarktintegration. So werden individuelle Integrationsprozesse beschleunigt und zugleich wichtige Potenziale für den Arbeits- und Fachkräftemarkt in Leverkusen erschlossen. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Stadt und Wohlfahrtsverbänden zeigt, wie Integration nachhaltig und erfolgreich gelingen kann.“
Hohe Nachfrage: Seit 2021 kontinuierlicher Ausbau des Angebots
Seit 2021 hat die Stadt Leverkusen das Angebot kontinuierlich auf- und ausgebaut. Mitte 2022 konnten nach notwendiger Vorbereitungszeit die ersten Beraterinnen und Berater des KIM-Casemanagement ihre Arbeit aufnehmen. Seit dem Start des KIM-Casemanagements in Leverkusen wurden insgesamt 720 Personen betreut. Aktuell werden zum Ende des ersten Halbjahres 2026 (Stichtag 26.06.2025) 356 Personen begleitet.
Die Nachfrage für Beratung steigt: Es ist ein kontinuierlicher Anstieg der Beratungsfälle zu verzeichnen: Von 138 laufenden Einzelfällen zum Jahresende 2023 über 224 zum Jahresende 2024 bis 334 zum Jahresende 2025. Die häufigsten Herkunftsländer der ratsuchenden Personen sind derzeit die Ukraine, der Irak und Syrien. Die häufigsten Anliegen betreffen die Themen Arbeitsmarktintegration, Deutscherwerb und aufenthaltsrechtliche Angelegenheiten.
Service-Point Integration und Kommunale Teststelle: Konkrete Maßnahmen fördern die Integration in Leverkusen
Neben der individuellen Beratung ermöglicht das Programm KIM auch Maßnahmen, die auf struktureller Ebene eine Verbesserung der Integrationschancen bewirken.
Eine besondere Erfolgsgeschichte ist dabei der bereits 2022 geschaffene Service-Point Integration, der ohne das Programm KIM nicht möglich wäre. Der Service-Point ist eine offene Anlaufstelle in der Wiesdorfer City, die vom Kommunalen Integrationszentrum in Räumlichkeiten der JOB-Service Beschäftigungsförderung gGmbH (JSL) organisiert wird. Im Service-Point Integration finden dreimal Woche zu festen Zeiten offene Sprechstunden des KIM-Casemanagements statt. Zusätzlich werden themenspezifische Sprechstunden von der Stadtverwaltung oder lokalen Beratungsstellen angeboten. Ergänzend finden regelmäßig Veranstaltungen statt, um zugewanderten Menschen Einstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt vorzustellen.
Eine weitere Maßnahme ist die Kommunale Test- und Meldestelle, die seit Dezember 2024 besteht. Ein- bis zweimal pro Woche führt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Kommunalen Integrationszentrum zentrale Einstufungstests für Integrationskurse durch, an deren Anschluss direkt eine Kursvermittlung der Teilnehmenden erfolgt. Der positive Effekt dabei ist, dass eine Aufnahme des Integrationskurses hierdurch deutlich schneller erfolgt. Hervorzuheben ist die enge Verzahnung mit dem KIM-Casemanagement: An jedem Testtag stellen sich die Beraterinnen und Berater direkt den zugewanderten Menschen vor und prüfen, ob Bedarfe für eine engere Begleitung vorliegen.
Ausblick: Integration als Daueraufgabe
„Das Kommunale Integrationsmanagement bietet die Chance Integrationsstrukturen vom Einzelfall her systematisch weiterzuentwickeln.“, fasst Susann Peters, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums zusammen, „Zugleich sind Integration und Teilhabe Daueraufgaben, die gemeinsam vorausschauend gesteuert werden müssen.“ Zur effektiven Steuerung des Programms KIM existiert vonseiten des Landes NRW sowie auch auf kommunaler Ebene ein enges Netz an Controlling- und Evaluationsmechanismen. Besonders hervorzuheben ist, dass im vergangenen Jahr eine landesweite Datenbank für KIM-Casemanagement-Fälle implementiert wurde, die auf kommunaler Ebene die Dokumentation und Steuerung der Einzelfallarbeit ermöglicht und zu einem effizienten und strukturierten Fallmanagement beiträgt.


