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Konsequentes Handeln und vorsorgliche Untersuchungen
In zwei Räumen der Realschule Am Stadtpark hat eine aktuelle Untersuchung von Stäuben hohe Auffälligkeiten von Halb- und Schwermetallen ausgewiesen. Unterricht findet in dem betroffenen Kunst- und Nebenraum bereits seit Mitte November nicht statt, dieser bleibt auch bis auf Weiteres gesperrt. Zur weiteren Analyse hat die Stadtverwaltung bereits ergänzende Beprobungen beauftragt. Zudem haben Stadtverwaltung und Schulleitung das Lehrerkollegium und die Erziehungsberechtigten informiert.
Zur Genese
Als mögliche Ursache der Belastung wird das Arbeiten mit schwermetallhaltigen Glasuren vermutet, die beim Brennen von Keramik entstehen. Der Keramikbrennofen im angrenzenden Brennraum ist allerdings seit über fünfzehn Jahren nicht mehr in Betrieb. Die Zwischentür war stets verriegelt und der Ofen nicht zur Nutzung freigegeben. Eine missbräuchliche oder versehentliche Nutzung des Brennraums kann im Austausch mit der Schulleitung übereinstimmend ausgeschlossen werden. Nach Hinweisen durch das Lehrpersonal, die auf eine mögliche Belastung hindeuteten, hat die Schulleitung sofort reagiert und vorsorglich den betroffenen Raum bis auf Weiteres geschlossen. Die Raumschließung wurde seitens der Schulleitung an die entsprechenden Fachbereiche der Stadtverwaltung – wie üblich in solchen Situationen – weitergeleitet.
Als Reaktion auf die hohen Anmeldezahlen zu Beginn dieses Jahres hat die Stadtverwaltung in Abstimmung mit der Schulleitung der Realschule Am Stadtpark die Bildung einer zusätzlichen Klasse geprüft. Im Zusammenhang des steigenden Raumbedarfs ab dem kommenden Schuljahr 2026/2027 wurde für eine mögliche Wiedernutzung des geschlossenen Kunstraums im Kellergeschoss vorsorglich eine Untersuchung auf Schadstoffe angeordnet.
Erste Ergebnisse
In einer ersten orientierenden Staubmessung des Kunstraums und des angrenzenden Lagerraums wurden in den beprobten Stäuben Metalle nachgewiesen. Aus den Ergebnissen lassen sich keine eindeutigen Erkenntnisse auf die Quelle sowie Hinweise auf eine mögliche gesundheitliche Gefährdung ableiten. Weitere Untersuchungen wurden veranlasst, um eine genauere Betrachtung der Lage zu gewährleisten.
Nachgewiesen wurden die Metalle Antimon, Blei, Kupfer und Zink. Die ermittelten Werte wurden auf ihr Vorkommen im Staub bezogen und lagen über dem für diese Art der Messung definierten Auffälligkeitswert. In diesem Zusammenhang handelt es sich bei dem Auffälligkeitswert um einen Wert, bei dem vermutlich eine Quelle vorliegt, die vorsorglich ermittelt und dann entsorgt werden sollte.
Antimon kommt allgegenwärtig in der Umwelt vor und wird durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt. Gewerblich wird es in der Keramikindustrie und als Katalysator bei der Herstellung von PET- Verpackungsmaterialien genutzt und ist in Farben enthalten. Es kommt außerdem in Lebensmitteln und in Grund- und Oberflächenwasser vor. Die toxikologische Bedeutung von Antimon – die Wirkungsintensität auf den Körper – ist u.a. von der Oxidationsstufe und der Löslichkeit abhängig und ist nicht abschließend geklärt.
Die Belastungen der Bevölkerung durch Bleiverbindungen sind in den letzten Jahren deutlich gesunken, akute Bleivergiftungen sind daher heute sehr selten geworden. Bei chronischer Exposition kann sich Blei schädigend z. B. auf die Nierenfunktion oder das Blutbild auswirken. Hauptsächliche Bleiquelle für die Allgemeinbevölkerung sind heute Lebensmittel wie Getreide und Blattgemüse. Blei kann auch im Trinkwasser vorkommen und wird hier vor allem durch noch vorhandene Bleileitungen in alten Gebäuden hervorgerufen. Daher sieht die neue Trinkwasserverordnung vor, dass bis zum 12. Januar 2026 alle Bleirohre in Gebäuden ausgetauscht oder stillgelegt werden müssen. In allen städtischen Gebäuden, demnach auch in den Schulen in Leverkusen, sind seit Jahren keine Bleirohre mehr in der Trinkwasserinstallation vorhanden. Auffälligkeiten würden zudem in den flächendeckend und regelmäßig durchgeführten Trinkwasseranalysen festgestellt.
Bei Zink und Kupfer handelt es sich um Spurenelemente, die natürlich im Körper vorkommen. Sehr hohe Dosen an Kupfer oder Zink können zu Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen führen.
Weiterhin wurden die Metalle Arsen und Zinn nachgewiesen, jedoch lagen diese weniger deutlich über dem Auffälligkeitswert. Arsen ist ebenfalls weitverbreitet und wird vom Menschen hauptsächlich über den Verzehr von Lebensmitteln wie Reis und Fisch aufgenommen. Bei chronischer Exposition kann Arsen Leber und Nieren schädigen und ist krebserzeugend. Reines Zinn ist ungiftig und nicht krebserregend.
Die Messergebnisse lassen aktuell keinen kausalen Zusammenhang oder Rückschlüsse auf eine potenzielle gesundheitliche Belastung zu.
Nächste Schritte
Ergänzend zu der weiteren Zweituntersuchung der Räume ist den Erziehungsberechtigten einer Stichprobe von Schülerinnen und Schülern vorsorglich eine Untersuchung ihrer Kinder angeboten worden. Hiermit soll ausgeschlossen werden, dass es beispielsweise durch Inhalation der Metalle zu einer chronischen Belastung gekommen ist.
Vor dem Hintergrund der Transparenz geht die Stadtverwaltung bewusst an die Öffentlichkeit, obwohl die Abschlussbewertung noch ausstehend ist. Gesundheitsdezernent und Interims-Baudezernent Alexander Lünenbach betont eindringlich: „Der Kunstraum ist seit dem Jahreswechsel abgesperrt und wird ohne vollständige Bewertung des vorliegenden Sachverhaltes nicht in Betrieb genommen. Für den bedenkenlosen Unterricht der Schülerinnen und Schüler in der Realschule Am Stadtpark haben wir Sorge getragen und werden umgehend informieren, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen. Um zügig auf die Sachlage zu reagieren, lassen wir prophylaktisch beide Untersuchungen parallel laufen.“
Weitere Fakten
- Unmittelbar nach der Schließung des Kunstraumes Ende vergangenen Jahres wurde ebenso die tägliche Reinigung eingestellt, sodass zu vermuten ist, dass die Staubanhäufung zum Zeitpunkt der Untersuchungserhebung Mitte März entsprechend erhöht war.
- Zusammen mit den Ergebnissen der ersten Untersuchung wurde die gutachterliche Empfehlung ausgesprochen, den betroffenen Raum und Nebenraum umgehend zu reinigen. Dies ist unlängst umgesetzt und veranlasst worden.
- Der betroffene Unterrichtsraum wurde 2020 umfassend saniert.
