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Tag der Sternenkinder am 15. Oktober: Zeit und Raum für einen frühen Abschied
Am Tag der Sternenkinder am 15. Oktober wird weltweit Kindern gedacht, die während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach verstorben sind. In Leverkusen finden aus diesem Anlass zwei Veranstaltungen statt – ein ökumenischer Erinnerungs-Gottesdienst in der Christuskirche und ein Begegnungsangebot für Betroffene im AWO-Familienseminar.
Fehlgeburten sind ein Lebensereignis, über das noch immer wenig gesprochen wird. Dabei kommen sie viel häufiger vor, als man denkt. In den ersten zwölf Wochen enden schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der bemerkten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt. Werden auch sehr frühe, noch unbemerkte Schwangerschaften berücksichtigt, liegt der Anteil höher.
Eine Totgeburt liegt vor, wenn ein Kind ohne Lebenszeichen geboren wird und mindestens 500 Gramm wiegt oder die 24. Schwangerschaftswoche erreicht wurde. Für Leverkusen weist das Statistische Landesamt IT.NRW für das Jahr 2025 sieben Totgeburten aus.
Ökumenischer Erinnerungs-Gottesdienst am 14. Oktober
Am Mittwoch, 14. Oktober, findet um 18:00 Uhr in der Christuskirche an der Dönhoffstraße 2 in Leverkusen-Wiesdorf ein Ökumenischer Erinnerungs-Gottesdienst statt.
Eltern und Angehörige von Sternenkindern sowie Menschen, die sich im Erinnern und Mitfühlen mit den Familien verbunden fühlen, sind hierzu herzlich eingeladen. Ob Geburt und Tod erst kurz oder schon viele Jahre zurückliegen – es braucht immer wieder einen Raum für den Schmerz und die Trauer und genauso für die Erinnerung. Gemeinsam an Sternenkinder erinnern, trauern, aber auch Hoffnung schöpfen und Trost finden – das ist der Leitgedanke dieses besonderen Gottesdienstes. Gestaltet wird der Gottesdienst gemeinsam von Claudia Stracke, Diakonin und Seelsorgerin beim Evangelischen Kirchenkreis, und Diakon Karl Heinz Schellenberg, Seelsorger im katholischen Stadtdekanat Leverkusen.
Ein besonderer Abend für Betroffene
Die AWO lädt am Donnerstag, 15. Oktober, 17:00 bis 19:30 Uhr, in das Café des Familienseminars am Berliner Platz 3 in Opladen: Die Veranstaltung zum Tag der Sternenkinder soll ein Raum sein, in dem sich betroffene Sterneneltern begegnen und austauschen dürfen. Über gemeinsames Musikhören, Liedersingen und auch über kreative Gestaltungsmöglichkeiten soll ein sicherer Ort für alle geschaffen werden. Jede/r darf kommen, wie sie/er mag: schweigend, weinend, lachend, gesprächig, unkreativ oder voller Kreativität. Die Kursleiterin Lea Teubert wird den Abend als Musiktherapeutin und betroffene „Sternenmama“ begleiten.
Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme ist kostenfrei.
Betreuung im Klinikum Leverkusen
Das Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums Leverkusen verfügt als Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe Level 1 über große Erfahrung in der Betreuung von Risikoschwangerschaften sowie sehr früh geborenen oder kranken Neugeborenen. Dazu gehören auch Situationen, in denen eine Schwangerschaft anders endet als erhofft. Frauen mit einer Fehl- oder Totgeburt finden in der Frauenklinik umfassende medizinische und menschliche Begleitung – unabhängig von der Schwangerschaftswoche.
„Ein Schwangerschaftsverlust kann Frauen und Familien unabhängig von der Schwangerschaftswoche tief treffen. Uns ist wichtig, dass jede Frau in dieser Situation die medizinische Versorgung, aber auch die Zeit und Unterstützung erhält, die sie persönlich braucht“, sagt Klinikdirektorin Priv.-Doz. Dr. Ines Beyer.
Nicht jede Frau kann direkt nach der Diagnose alle Informationen aufnehmen oder Entscheidungen treffen. Deshalb bietet das Team Gespräche an, die sich an der jeweiligen Situation orientieren. Auf Wunsch können psychologische Unterstützung oder die Klinikseelsorge vermittelt werden.
Stille Geburt
Bei einem Verlust in späteren Schwangerschaftswochen steht häufig eine stille Geburt bevor. Auch hier richtet sich die Begleitung nach der individuellen Situation. Die Hebammen nehmen sich bereits im Vorfeld Zeit für ein ausführliches Gespräch: Was kommt während der Geburt auf die Frau zu? Welche Möglichkeiten der Schmerzlinderung gibt es? Und welche Wünsche haben die Eltern für die Geburt und den anschließenden Abschied? Soweit es die medizinische Situation zulässt, bleibt dabei Zeit, Entscheidungen zu treffen und sich auf die bevorstehende Geburt und den Abschied einzustellen.
Auch Geschwister oder andere Angehörige können auf Wunsch einbezogen werden. Für den Abschied wird auf die individuellen Bedürfnisse der Eltern eingegangen: Eltern können ihr Kind in Ruhe bei sich haben und, wenn sie dies wünschen, auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Abschied nehmen.
Erinnerungen schaffen
Das Team unterstützt die Eltern zudem dabei, Erinnerungen an ihr Kind zu bewahren. Wenn es die Situation ermöglicht, fertigen die Hebammen ein Foto sowie eine Karte mit einem Fuß- und einem Handabdruck an. Möchten Eltern diese Erinnerungen zunächst nicht mitnehmen, werden sie aufbewahrt – für den Fall, dass sie sich später anders entscheiden. Darüber hinaus können sich Familien persönliche Erinnerungsstücke aussuchen. Auf Wunsch organisiert das Team außerdem den Kontakt zu einer ehrenamtlichen Sternenkindfotografin oder einem ehrenamtlichen Sternenkindfotografen.
Auch zu den verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung werden die Familien beraten. Eltern dürfen ihr Kind unabhängig von seiner Größe individuell bestatten lassen. Neben einer individuellen Bestattung besteht die Möglichkeit einer Gemeinschaftsbestattung mit begleitender Trauerfeier durch die Klinikseelsorge auf dem Friedhof Reuschenberg. Beisetzungen sind auch auf dem katholischen Friedhof in Quettingen möglich.
Weitere Informationen zu Unterstützungsangeboten, Bestattung und Beurkundung sowie Kontakte zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen hat das Klinikum in der Broschüre „Früher Abschied“ auf seiner Website www.klinikum-lev.de (Öffnet in einem neuen Tab) zusammengestellt.
Niedergelassene Gynäkologen weisen auf Unterstützungsangebote hin
In den gynäkologischen Praxen werden Frauen nach Fehlgeburten in frühen und späteren Schwangerschaftswochen betreut. Neben der körperlichen Versorgung steht für die Ärztinnen und Ärzte die seelische Gesundheit der Patientinnen im Fokus. „Da die Verarbeitung des Erlebten oft Zeit braucht, ist eine weiterführende Betreuung außerhalb der Praxis eine wertvolle Ergänzung“, erläutert Dr. Nasser Zahedi, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Leverkusen.
Wichtige Anlaufstellen für betroffene Frauen und Familien sind Beratungsstellen von Organisationen wie pro familia, der AWO oder der Schwangerschaftsberatungsstelle Esperanza des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Diese bieten vertrauliche und zeitnahe psychosoziale Beratung nach einem Schwangerschaftsverlust an. Bei schwerer psychischer Belastung können Frauenärzte direkt an spezialisierte Psychotherapeuten oder psychiatrische Institutsambulanzen überweisen, um Wartezeiten zu verkürzen.
Die niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzte ermutigen alle Betroffenen, diese Angebote ohne Zögern in Anspruch zu nehmen. „Niemand muss den Weg der Trauer und Bewältigung allein gehen!“, betont Dr. Zahedi.
Selbsthilfegruppe für Eltern ab Januar 2027
Die Esperanza-Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) bietet Beratungen bei Verlust des Kindes durch Fehl- oder Totgeburt oder nach einem Schwangerschaftsabbruch. Die Beratung ist kostenlos und nach Terminvereinbarung unter Tel. 02171/3958706 oder 02171/7439697 oder per Mail an esperanzaskf-leverkusende möglich.
Zudem bietet Esperanza ab dem nächsten Jahr eine Selbsthilfegruppe für Eltern nach frühem Verlust ihres Kindes, nach Fehl- oder Totgeburt oder nach einem Schwangerschaftsabbruch an: Ab Januar 2027 jeden 3. Samstag im Monat von 11 bis 13 Uhr in den Räumen der Esperanza Beratungsstelle, Goethestraße 3 in Leverkusen-Opladen. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich unter den oben genannten Telefonnummern oder per Mail. Das Angebot ist kostenlos.
